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Nach der Reunion der ehemaligen New-York-Hardcore-Helden rissen sich die Plattenfirmen gleich scharenweise um die Rechte an dem Comeback-Album, wodurch sich die Veröffentlichung der Scheibe ein ganzes Jahr verzögerte. Dass die fast im Original-Line-Up antretenden Agnostic Front mit Vinnie Stigma als einzigem Gitarristen stilistisch nicht dazu fähig waren, an ihren ab Mitte der Achtziger bis zum zwischenzeitlichen Split aufgefahrenen MetalCore-Sound anzuknüpfen, war klar. Da passte die Old-School-Renaissance und die Tatsache, dass sich die Back-The-Roots-Kollegenschaft fast vollständig auf die AF-Frühwerke beruft, natürlich hervorragend. Und die Truppe bewies, dass sie es nicht nötig hatte, sich auf ihren alten Lorbeeren auszuruhen, sondern nach wie vor in der Lage war, gutklassige, simple HC-Stücke zu schreiben, die in ihren gebremsten Passagen eher Oi!- als Metal-beeinflusst waren. Dazu kam, dass Roger Mirets Vocals auf Something's Gotta Givegeradezu sympathisch und weit entfernt von jeglicher New Yorker Macho-Core-Attitüde rüberkommen.
Stücke wie "Believe" oder "The Blame" gesellen sich mühelos zu den alten Classics, und die Texte sind voll dieser typischen, bodenständigen Ehrlichkeit. Das Album als Ganzes ist jedoch nicht der erwartete bzw. erhoffte Meilenstein. Das Oi!-lastige "Gotta Go" mag live zum Abräumer ohnegleichen werden, reißt aber als Konserven-Version nicht so richtig mit, Vinnie Stigmas Proll-Exkurs "Pauly The Beer Drinking Dog" ist völlig für 'n Arsch, und auch die x-te Einspielung des mittlerweile von tausend Bands totgecoverten Iron-Cross-Stücks "Crucified" hätte man sich schenken können. --Jan Jaedike
Mit Front By Front und der unübertroffenen Auskopplung "Headhunter" gelang Front 242 1988 endgültig der internationale Durchbruch. Es ist das einzige wirklich perfekte Album der Band aus Brüssel, der Höhepunkt zwischen ihrem Aufstieg und ihrem Niedergang. Front 242 benahm sich zu dieser Zeit wie eine paramilitärische Organisation, bemüht, sich selbst zur Terrormaschine zu machen um dem allgegenwärtigen Terror zu entgehen. Politisch blieb die Gruppe dabei immer indistinkt: Der aggressive Überlebens- und Leistungswille, den man in ihrer Musik spürt, ist ihre einzige Botschaft. Treibende, hämmernde Rhythmen aus der Drum Machine, minimale Basslinien, eingängige Synthmelodien, Samples aus Science Fiction-Filmen, straff organisierte Songstrukturen und De Meyers anonymer, grummelnder Sprechgesang wirken zusammen und kreieren Militärmusik für Androiden, diszipliniert, bedrohlich und vollkommen amoralisch. Ein passender Soundtrack für die stressgeplagten Städtebewohner in einer Zeit, in der der Ernstfall die Normalität und Überleben zur Utopie geworden ist. --Björn Quiring
In Zeiten, in denen irgendwelche pickligen Milchbubis in großen Hosen drei Möchtegern-Slayer-Riffs zusammenschustern und meinen, sie seien Hardcore, ist 'ne Scheibe wie Dead Yuppies wichtiger denn je. Man mag Agnostic Front vorwerfen, nur noch zu existieren, um den diversen Kids von Sänger Miret, Gitarrist Stigma & Co. 'ne anständige Ausbildung finanzieren zu können und dass die New Yorker bloß deshalb die simple Old-School-Schiene fahren, weil Stigma mit allem anderen überfordert ist. Was zählt, ist jedoch das Ergebnis und das stimmt auf Dead Yuppies absolut. Die alten Recken hämmern sich durch ein gutes Dutzend Tracks, die stilistisch haargenau in die Übergangsphase zwischen der zweiten großen England-Punk-Welle anno '82 und frühem Hardcore passen. Das Teil klingt somit sogar noch retromäßiger als die allerersten AF-Gehversuche, die ja aus eben jener Zeit stammen, knallt aber mit einer unglaublichen Frische aus den Boxen. Klasse! --Jan Jaedike
Der Sound von Front 242 geht zugleich in die Beine und in den Kopf, wie dieses Album eindrucksvoll unter Beweis stellt. Die Soundtüftler Patrick Codenys und Daniel Bressanutti liefern einen furiosen, vielschichtigen Klangteppich aus Percussion, Geräuscheffekten, Keyboards und Wortfetzen. Über und durch dieses bewußt aggressiv gestaltete Dickicht gleitet die düstere, bedrohliche Stimme des Leadsängers Jean-Luc DeMeyer. Sein typisches Grollen, voll gefährlicher Präzision im übellaunigen "Untold", wird in "Tragedy For You" zu einem resignierenden Ausdruck der Verzweiflung. "Rhythm Of Time", energiegeladen und zugleich voller dunkler Vorahnung, ist ein Meisterwerk des Electro. In "Moldavia" tritt Background-Sänger Richard 23 ins Rampenlicht, dessen forsches Klagegeschrei von Codenys und Bressanutti sogleich munter zerhackt wird. Ebenfalls bemerkenswert sind die chimärenhaften Instrumentalstücke, vor allem "Neurobashing" und der "versteckte" Track "HardRock." --Mark McCleerey
Liebhaber der Band und Electro-Fans sind sich weitgehend einig: Front 242 haben beachtliche Live-Qualitäten. Das ist gerade im Electro-Bereich alles andere als eine Selbstverständlichkeit, da der Sound größtenteils mit Hilfe von Synthesizern und DAT-Bändern hervorgezaubert wird -- technische Fähigkeit der Musiker auf der Bühne also eine eher untergeordnete Rolle spielen. Also kommt es im Electro-Genre auf Songqualität und Entertainmentfähigkeiten der Künstler an. Und da sind Front 242 spitze. Live Code überzeugt einerseits als Best Of -- logisch, bei Dancefloor-Krachern wie "Motion" oder "Im Rhythmus bleiben". Leider ist der Sound etwas zu kraftlos und dumpf geraten, so daß das Hörvergnügen nicht ungetrübt bleibt. Ganz klar diesem Album zu bevorzugen ist also die Scheibe Re:Boot. --Wolf-Rüdiger Mühlmann