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THE SINGLES 1992-2003
TRAGIC KINGDOM
Die Trademarks von No Doubt waren ursprünglich ihre Verbindung von Rock, Ska und Punk mit radiotauglichen Hooklines. Mit Rock Steady haben sie sich davon verabschiedet. Die Produktion lässt vermuten, das Gwen Stefani und ihre Hintermänner in Richtung Dancehall-Sounds gehen, die klassische Trio-Besetzung von Drums, Bass und Gitarre dabei hinter sich lassen und statt dessen den elektrischen Sounds und Beats einen breiten Raum geben. Das kann spannend sein, wie etwa beim Opener "Hella Good", der mit den Neptunes produziert wurde. Das kann aber auch die Identität von No Doubt als Band in den Hintergrund drücken.
Trotzdem liest sich die Aufzählung der Ko-Produzenten und -Schreiber sehr beeindruckend, etwa Sly&Robbie, Prince oder Nellee Hooper. Wer den neuen Weg mitgehen will, wird mit partytauglichen Tracks belohnt, einige Roots-Reggea-Anklänge finden sich ebenfalls, etwa bei "Underneath It All", der zusammen mit Dave Stewart von den Eurythmics geschrieben wurde. Insgesamt präsentieren sich No Doubt als eine Band im Umbruch, werden aber hoffentlich nicht zu einer austauschbaren Pop-Combo mit blonder Frontfrau verkommen. --Wolfram Denzer
RETURN OF SATURN
THE BEACON STREET COLLECTION
All jene No Doubt-Fans, die die streng limitierte 4-CD-Box The Singles 1992-2003 nicht zu Hause stehen haben, dürfen sich mit dem Album Everything In Time trösten, da es neben Highlights aus der Box auch diverse weitere Raritäten und bislang Unveröffentlichtes enthält.
Ohne Frage: Everything In Time ist vor allem für jene interessant, die zu den treuesten Anhängern der Band um die Frontfrau Gwen Stefani zählen. Der musikalische Werdegang der 4 Kalifornier begann Anfang der 90er Jahre und war alles andere als ein Zuckerlecken, war doch der Selbstmord des Bandgründers John Spence nur der Auftakt zu einem turbulenten Jahrzehnt intensiven Privat- und Rockmusikerlebens. Everything In Time ist ein Rückblick auf das Schaffen jener Jahre, der die unterschiedlichen musikalischen Facetten dieser Band auf faszinierende Weise hervortreten lässt. Insgesamt befinden sich auf der CD 17 Tracks, davon 6 Single B-Seiten und 3 Remixe. Die restlichen 8 Stücke bestehen aus bislang unveröffentlichtem Material, größtenteils Outtakes von dem Album Return of Saturn aus dem Jahr 2000, die in rockiger Manier daherkommen und den Ruf von No Doubt als legendären Live-Act bestätigen. Dass Sängerin Gwen Stefani aber auch durchaus die sanfteren Töne beherrscht, beweist die hinreißende Aufnahme des Titelstückes "Everything In Time". Am Tiefsten taucht das Ska-Stück "Sailin' On" aus dem Jahre 1996 in die Vergangenheit der Band ein und demonstriert im Vergleich zu den Elektro-Remixen, darunter "A Rock Steady Vibe" von 2001 die unglaubliche Vielseitigkeit von No Doubt. Ein besonderes Highlight ist "I Throw My Toys Around" dar, ein Song, dem Elvis Costello nicht nur seine Stimme lieh, sondern ihn zugleich auch noch produzierte, - eine perfekte Zusammenarbeit, die wohl von den Meisten als wünschenswert eingestuft und mit Spannung erwartet werden dürfte. Nicht zum ersten Mal würde damit die Band No Doubt ihren Fans eine gelungene Überraschung bereiten -- wie bereits so oft in der Vergangenheit, nachzuhören auf Everything In Time. Andreas Schultz
Tragic Kingdom -- ein Album, das polarisiert: Der Longplayer, der Ska im Erscheinungsjahr 1995 endgültig salonfähig machte, ist für Puristen nämlich fast so etwas wie Hochverrat. Kein Wunder: Kaum eine Platte aus diesem Genre war kommerziell erfolgreicher.
Für alle anderen ist Tragic Kingdom die Eintrittskarte in die Welt des Girlie-Rock, gitarrenorientiert, schweißtreibend, melodisch und mit der nötigen Portion Glamour. Für den zeigt sich natürlich Sängerin Gwen Stefani verantwortlich, von so manchem bereits als Nachfolgerin Madonnas gefeiert, oder zumindest als neue Debbie Harry. Zu recht: In Sachen Stimme und Aussehen muß sich die Kalifornierin vor den beiden Ikonen garantiert nicht verstecken.
Sie ist der Mittelpunkt aller Songs. Ihren Mitmusikern bleibt die undankbare Aufgabe der perfekten, aber unspektakulären Rythm Section. Und das fällt allemal angenehm auf -- und ist letztendlich das Erfolgsrezept der Band.
Die Songs? Im Opener "Spiderwebs" gibt's feinsten Skateboard-Ska-Pop. "Just a girl" ist die Girlie-Hymne für alle, denen die Spice Girls ohnehin immer zu doof waren und wird -- zumindest was den Erfolg angeht -- noch übertroffen von Song No.10: "Don't speak" war auf fast allen Kontinenten ein Riesenhit und handelt von der zerbrochenen Liebesbeziehung zwischen Frontfrau Gwen und dem Bassisten Tony -- seinerzeit nicht nur ein Millionenseller, sondern auch Lieblingsthema der Boulevard-Musikpresse.
Tragic Kingdom -- ein lohnenswerter Longplayer für Einsteiger. Für alle, die mehr "into Ska" sind, empfiehlt sich die Beacon Street Collection, ein Re-Issue mit älteren, teils sogar punk-lastigen Songs des Quintetts. --Richard Goerlich