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Die gigantischen Erwartungen nach den Platinerfolgen von Once und dann auch noch eine neue Sängerin - können Nightwish dem hohen Druck standhalten? Sie können, und zwar mehr als souverän.
Millionen Fans in aller Welt hielten den Atem an, als Nightwish die Trennung von ihrer langjährigen Sängerin Tarja Turunen bekannt gaben. Nicht wenige Anhänger konnten sich ihre Lieblingsband nicht ohne Tarjas unverwechselbare Stimme vorstellen, und Bandboss Tuomas Holopainen brauchte lange, um sich für eine Nachfolgerin zu entscheiden. Dass er die richtige Wahl getroffen hat, beweisen bereits die ersten drei Songs auf Dark Passion Play. In dem epischen Opener "The Poet And The Pendulum" stellt die neue Sängerin Anette Olzon die enorme Bandbreite ihrer Stimme unter Beweis, "Bye Bye Beautiful" ist eine knallharte Metal-Granate allerfeinsten Kalibers, und "Amaranth" gehört zu den schönsten Ohrwürmern der Nightwish-Karriere. Anette mag kein Operndiva-Organ wie Tarja besitzen, aber ihr rockiger, bodenständiger Gesangsstil passt wunderbar zu den neuen Songs. Und die sind wie auch schon auf Once von allerhöchster Qualität. Tuomas ist es einmal mehr gelungen, seine zahllosen Nachahmer auf Distanz zu halten und die Ausnahmestellung seiner Band im Bombast-Metal-Sektor trotz oder gerade wegen der neuen Frau an seiner Seite eindrucksvoll zu untermauern.
-- Michael Rensen
Nach der unbefriedigenden Best-of-Zusammenstellung Tales From The Elvenpath liegt nun eine erschöpfendere Greatest-Hits-Sammlung aus dem Hause Nightwish vor.
Da Tales From The Elvenpath von der alten Plattenfirma der Finnen herausgebracht wurde, enthielt die Scheibe keine aktuellen Songs. Highest Hopes hingegen deckt die komplette Karriere von Tarja Turunen und ihren Jungs ab. Neben Klassikern wie "Over The Hills And Far Away", "Wishmaster" und "The Kinslayer" sind diesmal auch die Once-Perlen "Wish I Had An Angel" und "Nemo" vertreten. Und mit immerhin zwei Raritäten versucht man auch Fans zum Kauf zu bewegen, die schon alle regulären Nightwish-Studioscheiben besitzen. "Sleeping Sun" wurde neu aufgenommen, und das stimmungsvolle Pink-Floyd-Cover "Highest Hopes" packte man in einer Live-Version auf die Disc. Die limitierte Doppel-CD-Edition ist darüber hinaus noch mit drei Bonustracks bestückt. Langjährigen Nightwish-Fans wird dies etwas wenig Gegenwert fürs Geld sein, Einsteiger erhalten jedoch einen guten Überblick über die schillernde Karriere der skandinavischen Bombast-Metaller. -- Michael Rensen
So lange war die Pause eigentlich nicht, die Nightwish nach Century Child einlegten und mit Once haben sie ihren Breitwand-Opern-Metal wieder einen Tick breiter aufgefächert. Nach dem Labelwechsel zu Nuclear Blast waren die Erwartungen an die Finnen natürlich irgendwo in der Stratosphäre angesiedelt. Aber sie haben nicht klein beigegeben, sondern neue Wege für ihre Musik gesucht.
Da hilft es natürlich auch, wenn man direkt mal das London Session Orchestra zur Unterstützung heranzieht, das auf Once neue Aspekte für den Nightwish-Sound hervorzaubert. Aber die Band versteht es auch geschickt, nicht die ganze Scheibe mit dem Orchester zu verkleistern. Die volle Geigenwucht wird erst in den beiden überlangen Stücken "Creek Marys Blood" und "Ghost Love Score" ausgepackt. Die Reise startet noch in gefälligen Gewässern und mit "Nemo" und "Wish I Had An Angel" sind sogar radiokompatible Songs dabei. Spätestens bei Track sieben "Dead Guardians" wird jedoch die ganz harte Metal-Keule herausgeholt und in den nächsten Song "Romanticide" noch mächtig hineingeschwungen. Dazu singt Tarja ungekünstelt, aber mit der ganzen Macht ihrer Opernausbildung. Auch bei Basser Marco Hietala hat sich gesangstechnisch einiges getan.
Die Besonderheit der CD ist aber eigentlich der auf finnisch gesungene Akustik-Track "Kuolema Tekee Taiteilijan", der nicht nur in der Sprache, sondern auch in seiner Traurigkeit etwas wahrhaft Finnisches hat. Da wünscht man sich Tarja zur nächsten Apocalyptica-Single, möglichst im Duett mit Ville Valo. Mit Once sollte es Nightwish problemlos gelingen, den Symphonic-/Opera-Metal-Thron zu verteidigen. Wie der Erfolg ähnlich gelagerter Bands im Moment zeigt, kommen sie genau zur richtigen Zeit mit dem wahren Stoff auf den Markt zurück.
Nach ihren beiden Erfolgsalben Oceanborn und Wishmaster sind Nightwish glücklicherweise nicht auf Nummer sicher gegangen und haben mit Century Child ein ähnlich gestricktes Werk veröffentlicht, sondern haben Mut zum Risiko bewiesen. So kommt die aktuelle CD der Finnen eine ganze Ecke knackiger und vielschichtiger daher und klingt streckenweise auch recht melancholisch und düster. Die Stimme von Frontfrau Tarja Turunen steht nicht mehr so sehr im Vordergrund wie noch in der Vergangenheit und ordnet sich mehr den Kompositionen unter, was den insgesamt zehn Stücken deutlich besser zu Gesicht steht.
Auch die Entscheidung den neuen Bassisten Marco Hietala verstärkt als gesanglichen Gegenpart von Tarja zu integrieren tut den Titeln hörbar gut und sorgt für reichlich Spannung. Die grandiose Umsetzung des Musical-Klassikers "The Phantom Of The Opera" von Andrew Lloyd Webber, wo sich die beiden ein gelungenes Duett liefern, bestätigt diesen Eindruck. Aber natürlich kommen auch die eingefleischten Nightwish-Fans bei Century Child voll und ganz auf ihre Kosten, denn grundsätzlich ist das Quintett natürlich seiner musikalischen Linie treu geblieben, hat diese durch die angesprochenen Veränderungen lediglich etwas verfeinert und perfektioniert. Ein wirklich großes und beeindruckendes Album! --Armin Schäfer
Heavy Metal und Operngesang -- geht denn das? Aber klar doch! Nightwish aus Helsinki sind der beste Beweis dafür, dass sich harte Stromgitarren und das klassische Geträller einer Diva unter gewissen Umständen prima ergänzen können. Um ein Haar hätte man das sogar beim Schlager-Grand Prix unter Beweis gestellt, wären die Skandinavier im Rahmen der finnischen Vorausscheidung nicht am Votum der ignoranten Jury gescheitert. Eigentlich schade, denn im Vergleich mit den ersten beiden Alben Angels Fall First und Oceanborn setzt Sopranistin Tarja ihre ausgebildete Stimme heuer deutlich variabler ein, was die zumeist dramatischen, mit reichlich Bombast und filigranen Keyboardklängen angereicherten Songs besser zur Geltung kommen lässt. Stellvertretend seien an dieser Stelle nur die beiden Mini-Epen "Dead Boys Poem" und "Fantasmic" oder das absolut singletaugliche "Bare Grace Misery" genannt, die Wishmaster zu einem beeindruckenden Parforceritt durch zwei an und für sich völlig konträre Welten machen. Noch Fragen? --Buffo Schnädelbach