Morcheeba : Releases >>

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Dive Deep  >>

Fast 10 Jahre war bei Morcheeba die Position am Mikrophon mit Skye Edwards fest besetzt. Nach Streitigkeiten und dem Kommen und Gehen zwei weiterer Frontfrauen entschließen sich die Godfrey-Brüder Paul und Ross, diesen Schleudersitz abzubauen und stattdessen Gäste zu engagieren. Dive Deep ist nicht nur das erste Album der TripHop-Formation aus London, auf dem eine Vielzahl von Gesangsstimmen zu hören ist, auf ihrem nun schon sechsten Studiowerk kehren die Briten zurück zu ihren musikalischen Wurzeln. Von dem R & B, Gitarreneinsätzen und den oft leichtfüßigen Arrangements von The Antidote blieb deshalb nicht viel. Das passt auch besser zum Bandnamen, kann man ihn doch „More Cheeba“ - ein Slangausdruck für „mehr Gras“ - aussprechen. Dive Deep spiegelt mit seinem zumeist verschleppten Tempo, einer gewissen Trägheit und nie verfliegenden Melancholie zudem eine persönlich schwierige Phase von Morcheeba wider. Neben der vakanten Stelle am Mikro, Tourstress und einem Beinaheruin kam noch der Tod des Vaters von Paul und Roos dazu. Der eine, geplagt von Depressionen, „...trieb seine wundervolle Familie fast in den Wahnsinn...“, der andere zog nach Los Angeles in die USA. Gefühle, die in einem zweijährigen Entstehungsprozess in Downbeat-Klänge mit viel elektronischem Folk umgewandelt wurden. Tracks wie „One Love Karma“ stehen nun wieder eindeutig in der Tradition von Pionieren wie Massive Attack, Portishead oder Tricky. Beim Aufstellen der Songgerüste arbeiteten die Godfreys arbeitsteilig: Ross war für das Entwerfen der Sounds zuständig, sein Bruder zeigte sich verantwortlich für Texte, Produktion und Beats. Die passenden Stimmen dazu holten sie sich aus dem Internet, wo sich Leute auf einer berühmten Seite beworben hatten. Dazu kommen bekannte Sänger wie der Norweger Thomas Dybdahl, der koreanische, in NYC lebende Rapper Cool Calm Pete mit seinem hypnotischen Reimflow oder Judie Tzuke, die in den späten 70ern als Solokünstlerin Erfolge feiern konnte. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass Dive Deep nicht nur seinem Titel gerecht wird, sondern auch zum Intensivsten seit dem Debüt Who Can You Trust?. --Sven Niechziol

Big Calm  >>

Nun sollte man Covertexten nicht völlig unvoreingenommen trauen. Aber Morcheeba übertreiben höchstens ein bißchen, wenn sie im Booklet ihrer Platte Big Calm von der "perfect, jazz-flavoured voice" ihrer Sängerin Skye Edwards sprechen. Tatsächlich kann man sich zu dem TripHop-Sound der drei Engländer kaum eine perfektere Stimme vorstellen, als die der jungen Jazz-Sängerin. Aber paßt das denn zusammen? TripHop und Jazz? Jep, es paßt. Ganz entsprechend dem Albumtitel ist Big Calm eine wunderbar ruhige Angelegenheit, mit fast zärtlichen Harmonien ("Blindfold", das dubbed-out "Friction") und einem grandiosen dritten Stück, "Part Of The Process", das absolut sommerhit-verdächtig ist. Und zwar für jeden Sommer der kommenden tausend Jahre. Big Calm ist ziemlich clever arrangiert, garniert mit allerlei feinen Überraschungen aus den Sound-Computern dieser Welt ("Ohne irgendwelche Werkseinstellungen belassen zu haben!", lobt sich Ross Godfrey selbst). Alles in allem klingen Morcheeba nach Bristol-Sound, nach Massive Attack und nach Portishead -- vielleicht nicht ganz so cool, aber dafür auch nicht ganz so wichtig. Garantiert ist die Band mit einem breiten Grinsen aus dem Studio gelaufen, und hey! Wer Big Calm hört, weiß warum. --Michael Ebert

The Antidote  >>

Es ist schon erstaunlich, wie weit sich Morcheeba auf The Antidote von ihrem Ausgangspunkt entfernt haben. „Zuerst sehen wir uns als Singer & Songwriter” sagte das halbe Band-Gehirn und Sound-Programmierer Paul Godfrey (die andere Hälfte bildet Bruder Ross) 1996 über das mondäne Debüt-Album Who Can You Trust?, einem Klassiker des TripHop. Diese Worte sind fast genau neun Jahre später zutreffender denn je, denn das Trio aus London hat im Laufe seiner Geschichte die musikalischen Schwerpunkte von elektronischen Beats hin zu klassischem Arrangements und richtigem Schlagzeug verschoben. Mehr Licht, Transparenz und Pop-Appeal findet sich in den Songs von The Antidote, und zudem ist eine neue Stimme zu hören. Skye Edwards wurde durch die klassisch ausgebildete Sängerin Daisy Martey ersetzt, und daran werden einige eingefleischte Fans zu knabbern haben, bedeutet Veränderung doch auch immer Verlust. Aber auch Neuanfang: Skye war Melancholie, Daisy ist Soul, was den oft federleichten Tracks auf The Antidote entgegenkommt. Daisy heißt übersetzt Gänseblümchen und das passt, denn die neue Frontfrau bringt Farbe und Fülle in die zehn Stücke. Sei es in „Ten Men“, wo mittelalterliche Flöten auf rockige Gniedel-Gitarren prellen, in dem unverschämt überschwänglichen, sehr hitverdächtigen „Lighten Up“, der bluesigen Nummer „Living Hell“ oder dem träumerischen „Antidote“. Das bedeutet Gegengift, und was immer Morcheeba bekämpfen wollten, es scheint ihnen gelungen. --Sven Niechziol

Charango  >>

Kein Wunder, dass Charango, das vierte Album von Morcheeba, im Sommer erscheint. Seit das Trio 1998 mit seinem zweiten Album Big Calm in die britischen Charts stürmte und auf der Insel Furore machte, hat es mit seiner stimmungsvollen Lounge- und verträumten Ambientmusik eine echte Nische besetzt. Fragments Of Freedom war der erste zaghafte Versuch der Drei aus dem Süden Londons, aus der Kategorie der bloßen Bastler von Akustikkulissen auszubrechen; auf Charango wirken sie nun selbstbewusster und integrieren Elemente wie HipHop, Country und Filmmusik in ihre wunderbare Mischung aus Humor, Romantik und heimeliger Melancholie.

Es gibt geniale Momente wie das satte, lethargische "Slow Down" und die Single "Otherwise" mit ihrem üppigen Streicherarrangement, aber einige der interessantesten Tracks sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit Gästen: Lambchop-Frontmann Kurt Wagner etwa hat "What New York Couples Fight About" und "Undress Me Now" geschrieben und steuert zu Ersterem auch seinen ausdrucksstarken klagenden Gesang bei, während den charmant erotischen Text des letzteren nun Skye singen darf: "Using Your Mind/Imagine Our Skin/Joined At The Hip/Joined From Within."

Weit weniger romantisch ist "Women Lose Weight", auf dem der Rapper Slick Rick mit sanfter Stimme zu hören ist: Hier wird launig-ironisch von einem Mann erzählt, der seine Frau ermordet, weil sie ihm zu dick geworden ist. Der Song ist zwar unterhaltsam, aber ob es taktvoll war, ihn so kurz nach Ricks Gefängnisaufenthalt aufzunehmen (Rick hatte auf seinen Cousin geschossen), sei dahingestellt. Gewagt und originell und doch randvoll mit den für Morcheeba typischen ruhigen Rhythmen und entspannten Melodien, zeugt Charango zumindest von einer Rückkehr zu alter Form und ist wahrscheinlich sogar das bisher beste Werk der Band. --Christopher Barrett

Who Can You Trust  >>

Einen Trip (-Hop) erster Klasse liefern Morcheeba mit ihrem skeptisch betitelten Debütalbum ab. Die Antwort geben sie gleich selbst -- musikalisch: Sie vertrauen nicht dem Hype, sondern ihrem eigenen Instinkt, und wenn dabei chartverdächtiges Clubmaterial wie "Moog Island", "Trigger Hippie" oder eben der (fast) instrumentale Titeltrack herauskommt, ist doch eigentlich alles klar. Slow, cool and very groovy... --Christian Arndt

Parts of the Process (Best of)  >>

Parts Of The Process (Best Of) beschreibt die Karriere einer der am häufigsten unterschätzten Erfolgsgruppen der britischen Musikszene. Als Morcheeba 1996 auftauchten, da landeten sie unvermeidlich in der Kategorie TripHop und standen im Schatten der ganzen Bristol Crews, repräsentiert von Massive Attack und Tricky. Doch Morcheebas Schicksal kontrastierte mit dem der meisten TripHop-Musiker: Die wichtigsten Vertreter des Genres wurden entweder von internen Konflikten aufgerieben, erlebten einen katastrophalen Niedergang oder lösten sich wie Portishead von selbst in Wohlgefallen auf. Ganz im Gegensatz dazu haben es Morcheeba in aller Seelenruhe, die ja irgendwie schon zu ihrem Markenzeichen geworden ist, geschafft, sich nicht nur in Großbritannien, in den USA, sondern auch weltweit eine bedeutenden Fan-Gemeinde zu erobern.

Das Trio besteht aus den Brüdern Paul und Ross Godfrey, die aus dem Bereich des Prog-Rocks kommen und die als DJs tätig waren, sowie Sängerin Skye Edwards. Ihre Musik ist eine (scheinbar) unbekümmerte Mischung aus Soul über Hippy zu Rock und Pop. Sanft und betörend, abwechselnd düster und mal ein wenig freundlicher, wobei der Titel "Trigger Hippie" in Sachen Freundlichkeit den Höhepunkt darstellt. Sie sind im Stande, ohne sich selbst aufzugeben, Gastkünstler zu integrieren, wie zum Beispiel den Rapper Big Daddy Kane bei "What's Your Name" und Kurt Wagner von Lambchop bei "What New York Couples Fight About". Parts Of The Process ist ein wirklich gelungenes Best Of. Schade allein, dass der Titeltrack ihres Debütalbums Who Can You Trust nicht vertreten ist. --David Stubbs

The Platinum Collection  >>

Works  >>

Big Calm [Vinyl LP]  >>

Fragments of Freedom  >>

... und hier erleben Sie wie Claphams total verträumtes, äußerst moderates, super liebenswertes Trio ins Villenviertel zieht, die Brücke überquert und sogar -- bei dem noch toller als tollen "In The Hands Of The Gods" -- hinübergezogen wird zu Biz Markies Haus. Wenn Sie bei plötzlichen Gefühlsausbrüchen nicht mehr zurückschrecken oder bei einer kleinen Prise Mainstream nicht schockierter reagieren als bei solchen gelegentlichen Anmerkungen, dass Morcheebas Werk an "Kaffeehaus-Tische" gehöre, dann sind Sie hier richtig.

Wenn es sich hier auch um eine offenere und ehrlichere Variante handelt als bei dem opulenten Vorgänger Big Calm, das heimlich still und leise nur über Flüsterpropaganda millionenfach verkauft wurde, obwohl es doch so aussah wie ein gut gehütetes Geheimnis zwischen Dir, den Plattentellern von Paul Edwards und der verschlafenen Gitarre unseres Bruders Ross sowie der köstlichen Stimme von Skye Edwards. Was für ein Glück, dass es hier genug Poppigkeit für alle gibt und jeder sein Ohrhäppchen bekommt: Heitere, radiofreundliche Gospel-Refrains ("Rome Wasn't Built In A Day"), schamlose Disko-Klänge ("Shallow End"), durchtriebene, aufreizende Grooves und feierliche Schritte im Schickeria-Stil ("Be Yourself", "Let It Go"). Wenn das so schmerzlich heitere Big Calm als die selige Dämmerung einer Gattung, die früher einmal Trip-Hop genannt wurde, anzusehen ist, Portisheads Dummy dann dessen Nacht des Wahnsinns darstellt, dann handelt es sich bei Fragments Of Freedom um den längst überfälligen Samstagnachmittag. Melancholiker werden zweifellos den verschwommen elegischen Titeltrack und das fesselnde "World Looking In" vorziehen, die wirklichen Highlights des Albums leben jedoch von der Ausstrahlung ihrer Begeisterung. Und wenn man den Skaterbahn-Jubel im Stil von Grandmaster Flash von "Love Sweet Love" zum Maßstab nimmt, oder wenn Skye und Rapper Bahamadia sich an die Frauen ranmachen wie bei "Good Girl Down", und wenn dann irgendwelche 'Kaffeehaus-Tische' bei der Produktion "tats e" spielten, dann können Sie ganz beruhigt sein: Diese wurden absolut respektlos behandelt. --Jennifer Nine