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Es ist das hinterste, dunkelste, gleichsam am undurchdringlichsten mit Spinnweben verhangene Eckchen auf der Festplatte, in dem sich die Songs von Louise Rhodes und Andy Barlow eingenistet haben. Dort dräuen, einem virtuellen Kammerorchester gleich, die melancholischsten Klänge seit der Metamorphose des Dorian Gray. Zu Sound zerronnener Absinth tropft -- verführerisch in seiner süchtig machenden Wirkung -- von den zerklüfteten Tropfsteinen einer Tonlandschaft, über der wabernder Bodennebel hängt. Wenn das Leben im Lamb-Land eine Sage wäre, dann könnte man die Pole dieser Musik ganz radikal einteilen: Lou, die stets den gewissen Schlafzimmerblick in ihrer romantischen Stimme trägt, als eine ganz und gar dem Popsong ergebene Sängerin. Andy dagegen als hippes, danceorientiertes Clubkid, für den Tracks unter 20 Minuten Spieldauer nicht der Rede wert sind. Doch so leicht ist das Leben nicht. Es besteht vielmehr aus Kämpfen um Richtungen, aus Kerzen in verdunkelten Home-Studios, mit deren Hilfe Leben in computeresk zerklüftete Breakbeats gehaucht werden soll. Was zunächst aussichtslos erschien, gelingt: Lamb zaubern eine kammermusikalische Version der Clubgrooves auf ihr Debüt, vereinen Jungle-Rhythmen mit gezupften Kontrabässen, Sub-Sounds mit Streichquartetten und landeten mit "Cotton Wool" einen Hit. --Björn Döring
BEST KEPT SECRETS THE BEST OF 1996 - 2004
Im Summer 1994 veröffentlichten der 22-jährige Geoff Barrow und die 23-jährige Beth Gibbons unter dem Namen des Dorfes, in dem sie lebten das Album Dummy. Damit begründen Portishead ein Genre, das zu diesem Zeitpunkt noch keine Bezeichnung trägt: TripHop. Es folgen unzählige Nachahmer mit mäßig guten Platten, die dafür sorgen, dass der Terminus TripHop ähnlich wie etwas später Downbeat für viel Langeweile sorgt. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Tricky, Londinium von Archive, Morcheebas Debüt Who Can You Trust? und natürlich der selbst betitelte, 1996 erschienene Erstling von Lamb. Drei Jahre später folgte nicht nur das schwächere Werk Fear Of Fours, sondern auch das vorläufige Ende der Band. Louise Rhodes und Andy Barlow, die stets musikalische Differenzen und Reibungspunkte hatten, lösten Lamb nach diversen Streitereien letztendlich friedlich auf. Gleichzeitig, so äußerte sich Barlow, bedeutete die Auflösung auch die Wiedergeburt. Diese zweite Chance scheint das Duo genutzt zu haben.
Einer menschlichen Annäherung folgte auch eine musikalische und entsprechend entspannt klingt What Sound. Zur Auflockerung der Atmosphäre im Studio sorgte auch die Tatsache, dass Rhodes und Barlow nicht alleine im Studio arbeiteten. Mit Guy Sigsworth wurde ein Co-Produzent engagiert, die Gitarre spielt Arto Lindsay, den Bass Me'Shell NdegéOcello, Michael "Spearhead" Franti steuert Backing-Vocals bei und das London Session Orchestra sorgt für einen nicht unerheblichen Teil Melancholie. Schön, dass die selbstvergessene, wunderbare Stimme von Louise Rhodes ins Zentrum gerückt wurde, um das herum sich die Sounds anordnen. Die bestehen natürlich erneut aus dezenten TripHop-Breakbeats und Klangexperimenten, sind aber nicht so vertrackt wie noch beim Vorgänger, sondern gar funkig und transparent. What Sound ist zwar nur ein kleiner Schritt für die Musikwelt, aber ein großer für Lamb. --Sven Niechziol
WHAT IS THAT SOUND?-LAMB REMIX
Drei Jahre waren verstrichen zwischen der Veröffentlichung von Lambs hochgepriesenem Debütalbum in Großbritannien und dieser CD, was die Fans ihres launigen Trip-Hop bereits langsam ungeduldig werden ließ. Hat sich das Warten nun gelohnt? Eigentlich ja -- aber wie so oft bei Nachfolgealben, erfüllt es nicht ganz die gesetzten hohen Erwartungen. Auch diesmal bekommt man wieder Lambs vollen Sound. Hatten aber einige Lieder auf dem Debütalbum noch beinah episches Niveau erreicht (wie z.B. "Gorecki!" und "Cottonwool"), lassen sich die meisten Tracks auf Fear of Fours lediglich als gelungen bezeichnen. War Louise Rhodes Gesang auf jenem Album geradezu opernhaft, findet er nun eher im Bereich des Sprechgesangs statt. Und anstatt der üppigen orchestralen Instrumentierung ihres Partners Andy Barlow eine Ergänzung zu bieten, prallen die zwei viel zu oft einfach aufeinander. Aber im Chaos liegt auch Schönheit, und keiner weiß das so gut wie Lamb. Wenn Fear of Fours tatsächlich mal glänzt, dann gleich richtig -- zum Beispiel in dem von Drum-&-Bass beeinflußten, rauschhaften Beat in "Ear Parcel" und der erbauenden Arie "Fly". Allein diese zwei Tracks machen deutlich, warum dieses Duo aus Manchester mit seinem ersten Album so erfolgreich war. --Courtney Reimer