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Grammy-Gewinnerin Macy Gray steht mit ihrem neuen Album Big unter gewaltigem Erwartungsdruck. Kein Geringerer als will.i.am (Black Eyed Peas) hat es produziert und Fergie, Linda Perry und Natalie Cole mit ins Boot geholt. Eigentlich gute Voraussetzungen für einen großen Wurf.
Es ist unbestritten: Die Stimme von Macy Gray ist ein Großereignis und katapultiert sie verdientermaßen in die Oberliga der Queens of Soul. Musikalische Erfahrungen wie jene mit Carlos Santana an dessen Album The Essential Santana und die Mitwirkung an einigen Soundtracks, u.a. mit Queen Latifah und Lil Kim für einen Song in dem Oscar prämierten Film Chicago, verleihen ihr edlen Schliff. Ihre Stimme hat jetzt schon das Zeug zur Legende, wie der Opener des Albums im Duett Natlie Cole beweist: Finally Made Me Happy. Doch wäre in punkto Spannungsbogen ein anderer Einstieg in das Album vielleicht klüger gewesen, etwa mit dem charakteristischen Ghetto Love mit seinen Streicher-Samples in Motown-Manier. Der Klang des Albums und die Arrangements sämtlicher Stücke sind zwar wirklich herausragend, in ihrer Präzision jedoch fast schon ein wenig zu steril und daher nicht unbedingt passend für den Soul. Einen ähnlichen Bärendienst erwies seinerzeit Marcus Miller, ein unbestritten hervorragender Produzent, der Jazz-Legende Miles Davis, dessen Album Tutu das bekannteste (und ganz sicherlich nicht das schlechteste) aus dieser Zusammenarbeit ist. Hätte die Crew um Macy Gray den Mut gefunden, die Songs in irgendeiner Bruchbude live einzuspielen, wären die eigentlichen musikalischen Qualitäten aller Beteiligten erst recht zur Geltung gekommen. So aber schnuppert man vergebens nach dem Schweiß, der untrennbar mit dem Soul verbunden ist. Auf Big herrscht leider die frostige Atmosphäre eines Genlabors. Besonders augenfällig wird dieser Bruch bei One for Me. Ein viel versprechendes Intro erschöpft sich in sich selbst, um einem völlig anderen, synthetischen Sound zu weichen. Aber auch positive Gegenbeispiele sind vertreten: Okay mit seiner perfekten Synthese aus Marching Drums, sparsamen E-Piano-Klängen und einer herrlich dreckigen Gesangsperformance Macy Grays. Obwohl Big kein Album ist, das auf Anhieb zündet, befinden sich viele Songs darauf, die für sich allein gesehen bemerkenswert sind, wie zum Beispiel der Bonus-Track AEIOU, der einen gelungenen Abschluss des Albums bildet. Das kann jedoch nicht über den Eindruck hinweghelfen, dass man sich etwas mehr Power und weniger durchgestylte Sounds gewünscht hätte, zumal das Potenzial allemal vorhanden ist.
Andreas Schultz
Die Inspiration für ihr Debüt hat sich Macy Gray von der Funkmusik der 70er Jahre geholt: Das Resultat ist ein Album der Kategorie Progressive R&B. Unterstützt durch eine Band, zu der auch Arik Marshall, Ex-Gitarrist der Red Hot Chili Peppers, gehört, zelebriert die rauhe aber gleichzeitig kontrollierte Stimme Grays Themen wie Sex ("Sexomatic", "Caligula"), Gott ("I Can't Wait to Meetchu"), und Ungerechtigkeit ("I've Committed Murder"). Obgleich Grays Songwriting in diesem Stadium noch nicht völlig ausgereift ist, so ist On How Life Is nichtsdestotrotz ein beeindruckender erster Versuch. --Rickey Wright
Natalie McIntyre alias Macy Gray gelang mit ihrem ersten Album On How Life Is 1999 ein weltweiter Erfolg. Der Nachfolger The Id ließ viel von der Inspiration des Debüts vermissen. Davon kann auf The Trouble With Being Myself allerdings nicht die Rede sein. Macy Gray hat zu alter Stärke zurückgefunden und präsentiert zwölf stilistisch wunderbar vielseitige Songs, die geradezu vor Lebensfreude überquellen.
Wie der leicht ironische Titel schon vermuten lässt, hat die Sängerin mit der unverwechselbaren Stimme, die auch für die Produktion der Platte verantwortlich zeichnet, nichts von ihrem Biss verloren. Es gibt im Moment wohl kaum jemand, der die Gratwanderung zwischen Soul, HipHop und Pop überzeugender hinbekommt als Macy Gray. Wie das geht, zeigt sie uns mit Songs wie dem mit ein paar dezenten HipHop-Elementen angereicherten "It Ain't The Money", bei dem Rapper Pharoahe Monch ein paar Reime beisteuert, oder dem nicht weniger farbenprächtigen "She Ain't Right For You" mit genau jener Hingabe, die nötig ist, um aus guten Songs sehr gute werden zu lassen.
Das sind aber nur zwei Höhepunkte eines Albums, das keine Schwachstellen besitzt. Mindestens ebenso faszinierend fallen auch Stücke wie das extrem lässig dahingleitende "Come Together", das mit sanften Streichersounds veredelte "Jesus For A Day" und die sehr zurückhaltend arrangierte Ballade "Happiness" aus, der wohl schönste Song der Platte. --Norbert Schiegl
Mit ihrem in jeder Beziehung erfrischenden Debütalbum On How Life Is wirbelte Macy Gray bereits 1999 gehörig Staub auf. Zwei Jahre später präsentiert sich die Sängerin auf ihrem zweiten Longplayer keine Spur weniger exzentrisch. Gekonnt vermischt sie in den 13 Tracks, bei denen sie diesmal tatkräftig von Slick Rick, Angie Stone, Erykah Badu, Mos Def, Sunshine Anderson,?uestlove (The Roots) und John Frusciante (Red Hot Chili Peppers) unterstützt wird, R&B-, Soul-, Rock-, Funk- und HipHop-Elemente zu einem elektrisierenden Sound-Cocktail, dessen pure Energie sofort auf den Hörer überspringt. Bereits der reichlich ungewöhnlich Opener "Relating To A Psychopath", ausgestattet mit einem schrägen Funk-Groove, hat es in sich. Doch das ist nur der Anfang einer farbenfrohen Song-Revue, die mit Stücken wie der unwiderstehlichen Disko-Hymne "Sexual Revolution", dem lyrisch wie musikalisch kaum zu bremsenden "My Nutmeg Phantasy", bei dem sich Angie Stone und Mos Def als geradezu kongeniale Partner erweisen, sowie dem zusammen mit Sunshine Anderson eingespielten "Don't Come Around", unvergessliche Glanzpunkte setzt. Mit The Id ist Macy Gray bereit für den ganz großen Durchbruch. Textlich ambitionierter und musikalisch reichhaltiger kann ein Album wie dieses eigentlich nicht ausfallen. --Norbert Schiegl