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Tidal ist das Debütalbum von Fiona Apple, einer Singer/Songwriter-Pianistin aus New York, die zur Zeit der Veröffentlichung 1996 gerade 18 Jahre alt war. Apple ist offensichtlich talentiert -- sie hat eine dunkle, rauchige Altstimme und einen Begabung für wirkungsvolle Formulierungen -- aber sie wird noch einige Jahre brauchen, um ihr Potential wirklich umzusetzen. Für jede frische Textzeile, die sie schreibt ("Daddy longlegs, I feel that I'm finally growing weary of waiting to be consumed by you"), liefert sie zwei Beispiele peinlich affektierter Schulmädchen-Poesie ab ("Adagio breezes fill my skin with sudden red", aus demselben Song, "The First Taste"). Sie muß auch ihre launischen Klavierakkorde noch zu richtigen Melodien verfeinern, obwohl "Shadowboxer" der Sache schon recht nahe kommt. --Geoffrey Himes

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Fiona Apple -- was für ein Charakter! Zwischen ihrem Softcore-Video, ihrer Preisverleihungs-Rüge und der Schaffung des lächerlichsten Titels aller Zeiten für ihr zweites Album (der volle Titel umfasst 90 Wörter) hat Apple sich einen Ruf als Spinnerin der Spitzenklasse erworben -- was auch durchaus zutreffen könnte. Aber im Gegensatz zu vielen ihrer pseudo-exzentrischen Zeitgenossen scheint diese Wölfin im Schafspelz tatsächlich in der normalen Welt vom Weg abgekommen zu sein. Und Apple ist auch in anderer Hinsicht echt -- als Talent.

When The Pawn Hits ... setzt dort an, wo ihr überraschendes Debüt Tidal aufgehört hat. Jon Brion ist wieder Produzent und zusammen zaubert das Paar eine berauschende, keyboardlastige Klanglandschaft, die den bestimmten, gefährlich erotischen Vortrag der Sängerin bestens ergänzt, der wie eine Verbindung aus Nina Simone und Chrissie Hynde daherkommt. Unvorhergesehene Ausschmückungen verleihen den Arrangements Farbe, darunter auch das düstere Karneval-Zwischenspiel bei "On The Bound", die George-Harrison-hafte Gitarre bei "Mistake" und das Drum-Solo (wann haben Sie zum letzten Mal ein Drum-Solo auf einem Popalbum gehört?) bei "Limp". Brions Beitrag dient ausschließlich dazu, Apples Wirkung zu steigern, die mit außergewöhnlich zuversichtlichen Äußerungen, unsicheren Empfindungen und gefühlslosen Darstellungen von Beschuldigungen und Selbstbeschuldigungen herüberkommt. When The Pawn Hits ... ist in sich geschlossen, kommt aus dem Bauch heraus, ist fein abgestimmt und macht deutlich, dass dies für die viel versprechendste Newcomerin des Jahres 1996 sicherlich kein Nachfolgeflop sein wird. Sie mag ja ein seltsamer Charakter sein -- aber was für eine Künstlerin! --Steven Stolder

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Sozusagen aus dem Nichts war sie 1996 auf den Titelblättern aller maßgeblichen US-Musikgazetten gelandet. Denn schon mit ihrem Debüt-Album Tidal hatte die damals 19-jährige Fiona Apple das hingelegt, was man ein Meisterwerk nennt. Plötzlich fand sich die junge Singer/Songwriter-Dame im Vorprogramm von Chris Isaac wieder, spielte in prall gefüllten Stadien und konnte stündlich ihre eigenen Videos auf MTV betrachten. Doch an ihren mit Melancholie durchzogenen Songs, die wie musikalische Street-Movies anmuten, lässt sich auch ablesen, dass die vom (Liebes-)Leben gebeutelte Fiona kein Glitzer-Typ ist, dem der Hype um ihre Person die Sicht auf die wahren Dinge verstellt. So zog sie von ihrem Geburtsort Manhattan nach Los Angeles, mietete sich ein Appartement samt Klavier und ließ sich viel, viel Zeit, um die wirklichen Leidenschaften zu leben, über die sie nun in zehn hinreißenden Songs erzählt. Mit cool-relaxter Stimme, zwischen groovenden Rock- und dezenten Orchsterarrangements, lässt die jazzbegeisterte Fiona keinen Zweifel, dass auch Tom Waits, Randy Newman oder Ricky Lee Jones zu ihren Favoriten gehören. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie hier schon die swingende Zukunft des Genres präsentiert. --Philipp Herschkowitz

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