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Dicke Stiefel, Dreadlocks und ein engelsgleiches Gesicht, das man beschützen möchte -- das ist Ani Difranco, das sind ihre grundlegenden Attribute auch in künstlerischer Hinsicht. Seit sie fünfzehn ist, ist sie dabei, diese trügerisch zerbrechliche Schönheit; und dass bis heute, im Verlauf von weiteren fünfzehn Jahren, der Ungestüm der frühen Tage gewichen ist, scheint nur natürlich. Eine Art explodierende Besonnenheit ist an seine Stelle getreten, die Energie ist ungebrochen, wenn nicht stärker, und Ani ist mehr denn je die Erfüllung aller Ideale, die der Punk jemals hatte. Eine Haltung, die in Form von "Righteous Babe", ihrem eigenen, unabhängigen Label, nicht seinen einzigen, aber doch den äußerlich stärksten Ausdruck findet.
Ani, die immer noch unnachgiebig ernst und nur wenig humorvoll ihre Anliegen verfolgt -- was in der jüngeren Vergangenheit gelegentlich zu erschöpfender Überfrachtung und zum Ausschalten des CD-Players führen konnte -- ist es diesmal gelungen, der einzelnen Komponente im Strom ihrer Ideen mehr Raum und Zeit zu geben. Revelling/Reckoning ist eine energische, subtile, detailbewusste DoCD um's Feiern, um Abrechnung und Inventur. Folk, Funk, Pop, NYC-Downtown-Experimente, jazzige Bläser, dezente Computerrhythmik, Ani plus Gitarre pur oder mit ihrer Band, die sich spieltechnisch mittlerweile auf Little-Feat-Niveau bewegt -- prinzipiell die gleichen Zutaten, aus denen auch UpUpUpUpUp ('99) und To The Teeth ('00) bestehen; der Grad der Verfeinerung allerdings, den Difranco hier erreicht, ist mehr als verblüffend. Zweifellos ihr bisher bestes Album. --Rolf Jäger