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Ich möchte lieber darauf verzichten, jemanden von Destiny's Child während der Feiertage zu Hause zu besuchen, wenn dieses Album mit dem lächerlichen Namen 8 Days Of Christmas irgendein Hinweis darauf ist, was bei ihnen unter dem Weihnachtsbaum liegt. Diese kuriose Mischung von modernen Klassikern, aufgepäppelten traditionellen Weihnachtsliedern und drei Melodien, die von Beyonce Knowles verfasst wurden, ist spröde und klingt gezwungen und überdreht. Nicht ein einziges Mal wird ein wärmendes und anheimelndes Bild herauf beschworen von Kastanien, die in einem offenen Feuer vor sich hin rösten oder von Väterchen Frost, der einem in die Nase zwickt. Es ist eher noch einmal die Arena, um die Gucci-Collection von Stimmakrobatik und plumpem Materialismus zu demonstrieren.
Das aus Texas stammende Trio übernimmt Weihnachtsklassiker wie Irving Berlins "White Christmas", "Silent Night" und "Little Drummer Boy". Diese werden dann mit eigenen Verzierungen und Disharmonien so sehr überrumpelt, dass ihre einfache Schönheit total verschwindet. "On the eighth day of Christmas, my baby gave to me, a pair of Chloe shades and a diamond belly ring", prahlt Knowles in dem Titelsong, der sich auf "12 Days Of Christmas" bezieht, ohne aber auch nur andeutungsweise zu erklären, warum sie hier vier Tage abgezwackt haben. Darüber hinaus ist die Band bei allen zwölf Songs ungeniert und dreist, sie erlauben sich alle Freiheiten und nennen "Carol Of the Bells" um in "Opera Bells", aus den "Silver Bells" werden "Platinum Bells", um an ihre mehrfachen Platin-Platten zu erinnern. Ihren absoluten Tiefpunkt erreicht die Platte, wenn Destiny's Child mit ihren eigenen von Hasbro-Toy produzierten Puppen in dem Vorspann zu "Platinum Bells" hausieren gehen: "Ladies remember long ago we asked Santa to give us Christmas Dolls? But this year the dolls are you and me under the tree." Humbug. --Jaan Uhelszki
No. 1s
Destiny's Child gelang mit ihrem zweiten Album The Writing's On The Wall und Hits wie "Jumpin, Jumpin", "Say My Name" und "Bills, Bills, Bills" weltweit der endgültige Durchbruch. Auf Survivor präentieren Beyoncé Knowles, Kelly Rowland und Michelle Williams erneut eine ausgereifte Song-Kollektion, die keine Wünsche offen lässt. Ihre Gratwanderung zwischen Pop-, Soul-, R&B- und Dance-Elementen haben die drei Damen in den 16 Tracks weiter perfektioniert. Besonders in Songs wie dem relaxt groovenden "Apple Pie A La Mode" und "Sexy Daddy" überzeugt das selbstbewusst auftrumpfende Trio mit einer nach wie vor unwiderstehlichen Mischung aus perfekt arrangierten Gesangsharmonien, ebenso eingängigen wie geschmeidigen Melodien und extrem abwechslungsreichen Rhythmen. Das sind allerdings nur zwei Höhepunkte eines nahezu perfekten Albums, das mit Stücken wie "Survivor", "Independent Women" und "My Heart Still Beats", um nur drei zu nennen, noch einiges mehr an erstklassiger Ware zu bieten hat. Destiny's Child setzen auf diesem Album zu neuen kreativen Höhenflügen an, die von der Konkurrenz nur schwer zu überbieten sein werden. --Norbert Schiegl
Die letzten Jahre nutzten Beyoncé Knowles, Kelly Rowland und Michelle Williams dazu, sich mehr oder weniger erfolgreich auf ihre Solokarrieren zu konzentrieren. Das Kapitel Destiny's Child schien fast schon endgültig abgeschlossen. Drei Jahre nach ihrem letzten Album Survivor gelingt der erfolgreichsten weiblichen Popgruppe der Welt mit Destiny Fulfilled ein fulminantes Comeback. Bereits das als Opener platzierte Lose My Breath, zugleich die erste Single, zeigt, dass das Trio nicht vor hat sich auf dem bisher erreichten auszuruhen. Alle drei fungieren, neben Beyoncés Vater Mathew Knowles, auch als Executive Producer und waren entscheidend am Songwriting-Prozess beteiligt. Entsprechend ambitioniert klingen die zwölf Tracks auch. Destiny's Child überlassen wie gewohnt nicht das kleinste Detail dem Zufall und arbeiten bei der Produktion mit ausgewiesenen Könnern wie Rodney Jerkins, Rich Harrison, Rockwilder oder Mario Winans zusammen. Doch auch Nachwuchskräfte wie 9th Wonder, der für den Titel "Is She The Reason" verantwortlich zeichnet, der auf einem Sample aus "I Don't Know No One Else To Turn To" von Melba Moore basiert, bekommen ihre Chance. Destiny's Child setzten auf Destiny Fulfilled natürlich nicht nur auf möglichst geschmeidige R&B-Tracks. Zwischendurch lockern sie ihr Programm wie beim Titel "Soldier" auch gerne mal mit ein paar rauen Raps auf, in diesem Fall von T.I. und Lil Wayne, oder verlangsamen wie bei "T-Shirt" das Tempo so extrem, dass sich der nach wie vor begnadete Harmoniegesang der drei Damen noch weiter in den Vordergrund schiebt. --Norbert Schiegl
THIS IS THE REMIX
Wenn man es mit TLCs Fanmail vergleicht -- und das tut man unweigerlich --, dann fällt Destiny´s Childs Gesellenstück deutlich auf den zweiten Platz zurück. Sicher, dieses R&B-Gesangsquartett ist kein völliger Klon der "Waterfalls"-Millionenseller; TLC hat ja auch nur drei Mitglieder. Die Vorzeigesingle auf The Writing's on the Wall jedoch, "Bills, Bills, Bills", ist ganz klar von Fanmails "No Scrubs" geklaut. Das hat man wohl dem Producer und Songwriter She'kespeare zu verdanken, der bei beiden Nummern seine Hände im Spiel hatte.
Wall faßt die Songs ziemlich willkürlich unter dem Motto "Gebote in einer Beziehung" zusammen und macht mit einer zusätzlich eingestreuten, völlig überflüssigen Parodie auf den Paten alles nur noch verwirrender. Obwohl dies alles meisterlich gesungen ist, gelingt es Destiny's Child kaum, sich aus der Masse der weiblichen Hip-Hop-Gesangsgruppen herauszuheben -- außer in Momenten wie im Refrain zu "Bug a Boo", das zur Melodie von "This Old Man" gesungen wird und einer der provozierendsten Hooks des Jahres 1999 war. --Rickey Wright
Gab es Anfang der 90er die Invasion der R&B-Herren (Boyz II Men, Shai, BBD etc.), beschränkte sich die erfolgreiche weibliche Antwort auf TLC und En Vogue. Die vier Damen von Destiny's Child führen nun mit Acts wie 702 die zweite, große Generation der Damen an. Wie so oft in diesem Genre geht dem Album ein Hit voraus: Hier übernimmt das von Fugee Wyclef Jean produzierte "No, No, No" diesen Part. Gleichzeitig ist man am Problem dieses Albums angelangt. Die von Hip Hop-Produzenten konzipierten Songs setzen die stimmlichen Harmonien der bildhübschen Chanteusen aus Houston/Texas am besten in Szene. Stellen die anderen Stücke nur R&B-Mittelmaß dar, verleiht die Produktion Hip Hop-Hochkarätern wie Jermaine Dupri (So So Def), Beats By The Pound (No Limit) oder eben Wyclef Jean (Refugee Camp) die nötigen Ecken und Kanten. Wabernde Bässe wie auf "With Me Part II" gehen sofort in die Beine und stellen den Groove in den Vordergrund. Leider fällt die Produktion der langsameren Stücke dem gegenüber etwas ab. Man schwankt also von rauher, straßenlastiger Stimmung zu allzu glatter Romantik, die nicht mit dem nötigen Individualismus vorgetragen wird. Am Ende bleiben groovige R&B-Perlen für Auto und Tanzboden, aber auch einige mittelprächtige Balladen. --Patrick Mushatsi-Kareba