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Die Stieftochter des 1995 verstorbenen Jazztrompeters Don Cherry beweist eindrucksvoll, daß Intelligenz und Body-Orientierung einander nicht ausschließen müssen.
Bereits mit ihrem herrlich frischen und funky Solodebüt Raw Like Sushi katapultiert sich Neneh Cherry in die Spitzengruppe der Rapperinnen. Sie demonstriert hier, daß dies auch möglich ist, ohne ständig nur Nigger & Bitch-Themen abzuspulen. Mal belächelt sie wie in ihrem ersten Hit "Buffalo Stance" rotzfrech die Macken der Machos in den Discos, dann sorgt sie sich um die Zukunft ("Manchild"), macht sich Gedanken über "The Next Generation" oder verflucht eine Freundin, die ihr den Typ ausgespannt hat ("Heart").
Dabei hebt Neneh Cherry nie den moralischen Zeigefinger, sondern klingt stets verdammt "sexy". Es ist herrlich verwirrend, wie sie manchmal mit der gespielten Unschuld eines "Schoolgirls" rappt und kichert, und dann wieder mit der Perfektion einer reifen Musikerin singt. Der klare -- hervorragend produzierte -- Sound entstand unter Mitwirkung namhafter Studiomusiker und DJs (u. a. Mushroom / Massive Attack). Latino-Bruchstücke mit "Funky Horns" werden darin ebenso verarbeitet wie raffiniert eingesetzte Loops, Jazz & Rock-Samples sowie Dub-Elemente.
Raw Like Sushi ist sicher eines der anspruchsvollsten Dance-Alben überhaupt und kann getrost als Rap-Meilenstein eingestuft werden. --Johannes Minnich
Darauf haben sicherlich viele Musikliebhaber gewartet: Neneh Cherry meldet sich endlich zurück. Und zwar nicht als Solokünstlerin sondern im Verbund mit Ehemann und Produzent Burt Ford, der Sängerin Lolita Moon und dem DJ/Produzent/Songwriter Matt Kent alias Karmil. Gemeinsam hat das Quartett 13 wunderbar relaxte Songs im Spannungsfeld zwischen Folk, Pop, Dub, Soul und HipHop eingespielt. Mit dem Debütalbum Laylow ist CirKus eine der spannendsten Platten des Frühjahrs 2007 gelungen.
Und das vor allem deshalb, weil die beteiligten Protagonisten die Sache völlig entspannt und frei von allen kommerziellen Zwängen angehen. Hier wird eben nicht mit einem Auge auf die Hitparaden geschielt, sondern CirKus verfolgen in aller Ruhe ihre eigenen musikalischen Visionen. Entsprechend eigen klingen Songs wie das mit einer wunderbaren Melodie gesegnete "Is What It Is" oder "Cutting Out A Career". Die Band macht von Anfang an unmissverständlich klar, das hier nur ihre eigenen Regeln gelten und sonst nichts. Die Songs auf Laylow klingen auch nie überfrachtet und lassen den Stimmen von Lolita Moon, Neneh Cherry und Burt Ford viel Platz sich richtig zu entfalten. Zu den Höhepunkten des Albums zählen neben den bereits erwähnten Nummern vor allem das mit einem genialen Groove ausgestattete "Time For The Whistle", das mit einem beißenden Text versehene "Your Such An..." und das auf samtweichen Harmonien dahingleitende "Love Can". CirKus zeigen mit Laylow eindrucksvoll, wie anspruchsvolle Popmusik 2007 klingen muss, ohne auch nur eine Sekunde lang irgendwelche Kompromisse einzugehen. --Norbert Schiegl
Auf dem Cover von Man ist sie umgeben von lauter Frauen, trägt eine Latzhose und eine verspiegelte Sonnenbrille, und Neneh Cherrys Gesichtsausdruck sagt in etwa: "Da hast Du's, Kleiner! Mach' das erst mal nach!" Perfektes Cover-Foto, denn nichts anderes sagt die Musik auf dem Album auch.
Neneh Cherry liefert in unregelmäßigen Abständen (meist in den Baby-Pausen, die gebürtige Schwedin ist mehrfache Mutter) ausgezeichnete Pop-Alben ab, stets auch in Zusammenarbeit mit Klasse-Produzenten wie Tim Simenon (Bomb The Bass) oder ihrem Ehemann Cameron "Booga Bear" McVey: Raw Like Sushi, Homebrew und eben 1996 Man. Der Opener "Woman" ist ein wunderbarer Ohrwurm, das Gitarrenstück "Golden Ring" selten edel und "7 Seconds", ein Duett mit Youssou N'Dour, wohl Neneh Cherrys bislang größter Hit. Und ab und zu ist auch deutlich zu hören (etwa bei "Kootchi" und "Carry Me"), daß die drei Jungs von Massive Attack bei den Aufnahmen zu Man immer mal wieder im Stockholmer Studio der Cherrys vorbeigeschaut haben. Durchgehend ein gutes, streckenweise sogar ein aufregendes Album. --Michael Ebert