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Es heißt zwar 23, ist aber erst das siebte Album der New Yorker Indie-Ambient-Popper Blonde Redhead. Und die werden immer besser.
Dabei war der Vorgänger, das für die Band bislang kommerziell erfolgreichste Album Misery Is A Butterfly von 2004, auf dem Blonde Redhead ihre obskure Verbindung von Düsterheit und Leichtigkeit zu ungeahnter Perfektion brachten, nicht so einfach zu toppen. Doch Songs wie "Dr. Strangeluv", "SW" oder "Top Ranking" fließen tatsächlich noch leichtfüßiger daher, schwelgen in der bittersüßen Markenzeichen-Melancholie des Trios und schmeicheln sich mit so unaufdringlichen wie unwiderstehlichen Melodien ins Ohr. Die werden maßgeblich getragen von der zauberhaften Stimme von Sängerin Kazu Makino. Mit den üblichen Kategorien wurde man der Musik von Blonde Redhead noch nie gerecht, aber da man ja alles irgendwie erklären muss, nennen wir es doch Easy Listening für Anspruchsvolle oder Space-Pop-Psychedelia mit Tiefgang. Die Noise- und No-Wave-Elemente der frühen Jahre haben sie jedenfalls endgültig aus ihrem Soundkosmos verbannt. Mit dem verhältnismäßig leicht zugänglichen "Spring And By Summer Fall" haben sie nun sogar einen charmanten kleinen Hit auf dem Album, den man bald bei guten Radiosendern hören dürfte. Solch wunderbar intensive Slo-Mo-Drifter wie "My Impure Hair" und "The Dress" hingegen bleiben den BR-Insidern vorbehalten. Dazu zählen übrigens auch Menschen, von denen man dies nun wirklich nicht vermutet hätte. So outete sich jüngst die kanadische Rock'n'Roll-Kraftmaschine Danko Jones als großer Fan von Blonde Redhead. Und auch wenn wir das schon vorher wussten: Der Mann hat definitiv Geschmack. -- Dirk Siepe
Was entsteht, wenn zwei Teenager aus Mailand und einer aus Kyoto in New York aufeinander treffen? Wenn man Glück hat, eine Band, deren Musik in ihrer Widersprüchlichkeit vollkommen homogen ist wie ihr Name: Blonde Redhead. Nichts an Misery Is A Butterfly), ihrem siebten Albem, ist amerikanisch, war es auch nicht zu Zeiten ihres heute als Klassiker gehandeltem Durchbruchsalbums Melody Of Certain Damaged Lemons, das sich praktisch nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda allein verkaufte. Von der rauen, abstrahiert aggressiven Direktheit zwischen den Stühlen von etwa Fugazi, Sonic Youth und New Yorker No-Wave-Resten ihrer Anfänge (Debütalbum Blonde Redhead erschien 1997) ist heute praktisch nichts mehr übrig.
Misery Is A Butterfly ist ein Pop-Album, das die harschen Rock- und (Post-)Punk-Reminiszenzen, Brüche, schräge Melodik und experimentelle Textur nur noch als strukturelle Reste benutzt. Geradeaus geht allerdings auch in diesen epischen, mitunter überirdisch anmutenden neuen Songs nichts, auch, wenn es oberflächlich so scheinen mag. Das Überraschungsmoment -- als solches zweitrangig, ein Nebeneffekt der Songdienlichkeit -- ist subtil in eine zweifellos gewollt produzierte Glattheit eingearbeitet, die den unwirklichen Gesamteindruck noch verstärkt. Etwas wie "Meldody", das mit scheinbar vollkommen unverhohlener Twist-Rhythmik beginnt, entpuppt sich nach wenigen Takten und zwei, drei ebenso schnellen wie unauffälligen Eingriffen als bittersüße, shuffelige Ballade; ebenso "Doll Is Mine", das mit einer Rhythmusgitarre beginnt, die man zuerst mit dem 1944er-Tarantella-Jazz-Hit "Angelina" des Italieners Louis Prima assoziieren kann. Bittersüß wie Morricone beginnt das Album mit "Elephant Woman", einer poetisch-prosaischen Mixtur, gleichermaßen betörend wie nuanciert, unterlegt mit fadenscheinigen Schlieren von Keyboards und Streichern, die sich durch den größten Teil des Albums ziehen.
Misery Is A Butterfly, bei etwas weniger Inspiration eine dümmliche, akademisch-referenzielle Nummernrevue, ist einzigartig: Musik, die nicht wirklich zu beschreiben ist, was ihre Auswirkungen auf ein einigermaßen offenes Hörergemüt betrifft. --Rolf Jäger
Was entsteht, wenn zwei Teenager aus Mailand und einer aus Kyoto in New York aufeinander treffen? Wenn man Glück hat, eine Band, deren Musik in ihrer Widersprüchlichkeit vollkommen homogen ist wie ihr Name: Blonde Redhead. Nichts an Misery Is A Butterfly), ihrem siebten Albem, ist amerikanisch, war es auch nicht zu Zeiten ihres heute als Klassiker gehandeltem Durchbruchsalbums Melody Of Certain Damaged Lemons, das sich praktisch nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda allein verkaufte. Von der rauen, abstrahiert aggressiven Direktheit zwischen den Stühlen von etwa Fugazi, Sonic Youth und New Yorker No-Wave-Resten ihrer Anfänge (Debütalbum Blonde Redhead erschien 1997) ist heute praktisch nichts mehr übrig.
Misery Is A Butterfly ist ein Pop-Album, das die harschen Rock- und (Post-)Punk-Reminiszenzen, Brüche, schräge Melodik und experimentelle Textur nur noch als strukturelle Reste benutzt. Geradeaus geht allerdings auch in diesen epischen, mitunter überirdisch anmutenden neuen Songs nichts, auch, wenn es oberflächlich so scheinen mag. Das Überraschungsmoment -- als solches zweitrangig, ein Nebeneffekt der Songdienlichkeit -- ist subtil in eine zweifellos gewollt produzierte Glattheit eingearbeitet, die den unwirklichen Gesamteindruck noch verstärkt. Etwas wie "Meldody", das mit scheinbar vollkommen unverhohlener Twist-Rhythmik beginnt, entpuppt sich nach wenigen Takten und zwei, drei ebenso schnellen wie unauffälligen Eingriffen als bittersüße, shuffelige Ballade; ebenso "Doll Is Mine", das mit einer Rhythmusgitarre beginnt, die man zuerst mit dem 1944er-Tarantella-Jazz-Hit "Angelina" des Italieners Louis Prima assoziieren kann. Bittersüß wie Morricone beginnt das Album mit "Elephant Woman", einer poetisch-prosaischen Mixtur, gleichermaßen betörend wie nuanciert, unterlegt mit fadenscheinigen Schlieren von Keyboards und Streichern, die sich durch den größten Teil des Albums ziehen.
Misery Is A Butterfly, bei etwas weniger Inspiration eine dümmliche, akademisch-referenzielle Nummernrevue, ist einzigartig: Musik, die nicht wirklich zu beschreiben ist, was ihre Auswirkungen auf ein einigermaßen offenes Hörergemüt betrifft. --Rolf Jäger
Es heißt zwar 23, ist aber erst das siebte Album der New Yorker Indie-Ambient-Popper Blonde Redhead. Und die werden immer besser.
Dabei war der Vorgänger, das für die Band bislang kommerziell erfolgreichste Album Misery Is A Butterfly von 2004, auf dem Blonde Redhead ihre obskure Verbindung von Düsterheit und Leichtigkeit zu ungeahnter Perfektion brachten, nicht so einfach zu toppen. Doch Songs wie "Dr. Strangeluv", "SW" oder "Top Ranking" fließen tatsächlich noch leichtfüßiger daher, schwelgen in der bittersüßen Markenzeichen-Melancholie des Trios und schmeicheln sich mit so unaufdringlichen wie unwiderstehlichen Melodien ins Ohr. Die werden maßgeblich getragen von der zauberhaften Stimme von Sängerin Kazu Makino. Mit den üblichen Kategorien wurde man der Musik von Blonde Redhead noch nie gerecht, aber da man ja alles irgendwie erklären muss, nennen wir es doch Easy Listening für Anspruchsvolle oder Space-Pop-Psychedelia mit Tiefgang. Die Noise- und No-Wave-Elemente der frühen Jahre haben sie jedenfalls endgültig aus ihrem Soundkosmos verbannt. Mit dem verhältnismäßig leicht zugänglichen "Spring And By Summer Fall" haben sie nun sogar einen charmanten kleinen Hit auf dem Album, den man bald bei guten Radiosendern hören dürfte. Solch wunderbar intensive Slo-Mo-Drifter wie "My Impure Hair" und "The Dress" hingegen bleiben den BR-Insidern vorbehalten. Dazu zählen übrigens auch Menschen, von denen man dies nun wirklich nicht vermutet hätte. So outete sich jüngst die kanadische Rock'n'Roll-Kraftmaschine Danko Jones als großer Fan von Blonde Redhead. Und auch wenn wir das schon vorher wussten: Der Mann hat definitiv Geschmack. -- Dirk Siepe
Melody Of Certain Damaged Lemons ist schon das fünfte Album dieser wunderbaren Indie-Rockband aus New York City. Anfang der 90er Jahre vom italienischstämmigen Zwillingsbrüderpaar Amedeo und Simone Pace mit der Japanerin Kazu Makino gegründet, hatte bei den ersten beiden Platten Steve Shelly von Sonic Youth noch seine Finger in der Produktion. Orientierten sich Blonde Redhead damals noch stark an eben jenen legendären Indie-Heroen, so haben sie sich inzwischen als eigenständige Größe etabliert. Ihre Songs liegen zwischen schrägem Lo-Fi-Pop und lärmigen Ausbrüchen, wobei den Dreien hier einige grossartige Stücke gelingen.So kommt das von Kazu Makino gesungene"This Is Not" als federleichter Indie-Pop daher, während andere Stücke, auf denen Amedeo Pace singt, rockiger klingen. Wo "Hated Because Of Great Qualities" verträumt daherkommt, ist "A Cure" sehr melancholisch. Richtiggehend anrührend ist "For The Damaged", bei dem Kazu mit ihrer charmanten brüchigen Stimme zum Klavier und dezenter Gitarre singt. Bislang sind die drei New Yorker hierzulande noch unbeschriebene Blätter: das sollte diese tolle Platte ändern! --Thomas Bohnet
Melody Of Certain Damaged Lemons ist schon das fünfte Album dieser wunderbaren Indie-Rockband aus New York City. Anfang der 90er Jahre vom italienischstämmigen Zwillingsbrüderpaar Amedeo und Simone Pace mit der Japanerin Kazu Makino gegründet, hatte bei den ersten beiden Platten Steve Shelly von Sonic Youth noch seine Finger in der Produktion. Orientierten sich Blonde Redhead damals noch stark an eben jenen legendären Indie-Heroen, so haben sie sich inzwischen als eigenständige Größe etabliert. Ihre Songs liegen zwischen schrägem Lo-Fi-Pop und lärmigen Ausbrüchen, wobei den Dreien hier einige grossartige Stücke gelingen.So kommt das von Kazu Makino gesungene"This Is Not" als federleichter Indie-Pop daher, während andere Stücke, auf denen Amedeo Pace singt, rockiger klingen. Wo "Hated Because Of Great Qualities" verträumt daherkommt, ist "A Cure" sehr melancholisch. Richtiggehend anrührend ist "For The Damaged", bei dem Kazu mit ihrer charmanten brüchigen Stimme zum Klavier und dezenter Gitarre singt. Bislang sind die drei New Yorker hierzulande noch unbeschriebene Blätter: das sollte diese tolle Platte ändern! --Thomas Bohnet